Höhenphorietest
Zweck
Der Höhenphorietest nach Tischer dient dem Nachweis vertikaler Fixationsdisparationen bzw. Höhenphorien unter beidäugigen Sehbedingungen. Bereits geringe vertikale Abweichungen können erkannt und durch eine geeignete prismatische Korrektion ausgeglichen werden.
Warum das Erkennen von vertikalen Phorien so wichtig ist
Minimale vertikale Augenstellungsabweichungen kann das menschliche Vergenzsystem nur in sehr geringem Maße ausgleichen. Deshalb ist es wichtig, diese möglichst präzise zu erkennen und – wenn erforderlich – durch eine geeignete Korrektion zu kompensieren.
Bisher wurden hierfür meist spezielle Messsysteme mit Polarisations- oder Anaglyphentrennern eingesetzt. Diese Verfahren sind technisch aufwendig und erfordern spezielle Ausrüstung.
Der Höhenphorietest nach Tischer – beim Patentamt in München angemeldet – eröffnet einen neuen Weg zur Bestimmung vertikaler Augenstellungsabweichungen. Das Verfahren kommt ohne optische Trenner aus und ermöglicht dennoch eine zuverlässige Erkennung vertikaler Abweichungen – sowohl in der Ferne als auch in verschiedenen Nahentfernungen.
Benötigte Materialien
• Tablet oder Smartphone mit der Testfigur
• Fixationsobjekt (z. B. am Monitor, ein Sehzeichen oder ein Objekt in mehreren Metern Entfernung)
• Prismatische Messgläser mit Messbrille
Testdurchführung
1. Legen Sie das Tablet oder Smartphone mit der Testfigur flach auf einen Tisch.
2. Richten Sie die Testfigur so aus, dass die horizontalen Linien exakt waagerecht verlaufen.
3. Der Proband blickt nicht direkt auf die Testfigur, sondern fixiert über das Spiegelbild ein entferntes Objekt. Die Akkommodation und Konvergenz richten sich dabei auf das Fernziel.
4. Durch die Testanordnung erscheint die zentral angeordnete Raute doppelt.
5. Fragen Sie den Probanden:
„Erscheinen beide Rauten auf gleicher Höhe oder liegt eine Raute höher als die andere?“
7. Falls eine Höhenabweichung wahrgenommen wird, korrigieren Sie mit prismatischen Messgläsern, bis beide Rauten als höhengleich empfunden werden.
Fragen Sie den Probanden
„Befinden sich die rechte und die linke Raute exakt auf gleicher Höhe oder erscheint eine Raute höher als die andere?“
Interpretation und Korrektion
• Wird die rechte Raute höher wahrgenommen als die linke, liegt eine Hypophorie rechts vor.
• Die Korrektion erfolgt entweder mit:
• einem Prisma Basis unten (BU) vor dem rechten Auge oder
• einem Prisma Basis oben (BO) vor dem linken Auge.
Entsprechend gilt umgekehrt:
• Wird die linke Raute höher wahrgenommen als die rechte, liegt eine Hypophorie links vor.
• Die Korrektion erfolgt entweder mit:
• einem Prisma Basis unten (BU) vor dem linken Auge oder
• einem Prisma Basis oben (BO) vor dem rechten Auge.
Hinweise
• Während der gesamten Messung sollte die Fixation auf das Objekt im Spiegelbild beibehalten werden.
• Die Testfigur darf nicht direkt fixiert werden. Kann aber zur ersten Einführung des Probanden erklärt werden.
• Achten Sie auf eine waagerechte Ausrichtung der Testfigur, da bereits geringe Verkippungen das Messergebnis beeinflussen können.
• Die prismatische Korrektion wird schrittweise erhöht, bis beide Rauten subjektiv auf gleicher Höhe wahrgenommen werden.
• Das Endergebnis sollte durch wiederholte Messung überprüft werden, um eine gute Reproduzierbarkeit sicherzustellen.
Dokumentation
Folgende Angaben sollten dokumentiert werden:
• Wahrgenommene Höhendifferenz
• Korrigierende Prismenwirkung (cm/m)
• Basislage (BU oder BO)
• Dazugehöriges Auge mit den Prismen
• Bemerkungen zum subjektiven Seheindruck nach der Korrektion
